Digitaler Nachlass: Wenn Daten die Lebenszeit überdauern

Rechtssicherheit bei digitalen Daten

Ins Testament gehören nicht nur materielle Güter, sondern auch die Regelung, was mit sensiblen Daten im Netz geschehen soll.

Was im Todesfall mit den Besitztümern eines Verstorbenen passiert, ist gesetzlich klar geregelt. Selbst ohne Testament ist die Sachlage aufgrund einer vorgegebenen Erbfolge unstrittig.

❕Doch was geschieht in diesem Fall eigentlich mit digitalen Daten?

❕Wie geht es mit Konten bei E-Mail-Anbietern, sozialen Netzwerken, Gaming-Portalen oder Streaming-Diensten weiter?

Über diese Frage macht sich bis dato kaum jemand Gedanken. Versäumen Sie es, Ihren digitalen Nachlass klar zu regeln, sind Probleme und Kosten für die Erben vorprogrammiert.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie einen angemessenen Umgang mit Ihren Daten gewährleisten.

Was umfasst ein digitales Erbe?

Im digitalen Zeitalter nutzen wir unzählige Online-Dienste und hinterlassen zahlreiche persönliche Informationen im Netz. Bereits zu Lebzeiten verlieren wir häufig den Überblick über unsere Online-Konten. Tritt dann der Todesfall ein, stehen Angehörige vor einer kaum lösbaren Aufgabe. Denn was wenige wissen: Ein digitaler Nachlass ist Bestandteil der Erbschaft. Nicht nur lokal gespeicherte Informationen auf Festplatten oder anderen Datenträgern (USB-Sticks, DVDs etc.) zählen zum digitalen Erbe, sondern auch sämtliche Daten, Konten, Abos und Verträge im Netz.

Insbesondere sollten Sie folgende Dinge berücksichtigen 🖋

  • E-Mail-Konten
  • Online-Banking
  • Profile auf sozialen Netzwerken (Facebook, Twitter, Instagram, XING usw.)
  • Profile auf Portalen für Partnervermittlung (z. B. Tinder, Parship)
  • Konten auf Gaming-Plattformen (z. B. Steam)
  • Smartphone-Accounts (oft Apple oder Google)
  • Webseiten
  • Messaging-Dienste (z. B. WhatsApp)
  • Accounts für Wearables (z. B. Fitnessarmbänder) oder Smart-Home-Apps
  • Konten bei Online-Shops (z. B. Amazon, eBay)
  • Paypal-Konto
  • Abos und Verträge (z. B. Netflix, Amazon Prime)

👉 Beachten Sie außerdem: Die Rechte eines Urhebers sind ebenfalls vererbbar. Der Erbe erhält hierdurch die Rechte an Werken wie Texten, Musik und Lichtbildern, sofern diese durch die Schöpfungshöhe (nach §2 Absatz 2 des Gesetzes über Urheberrecht UrhG, meint dies eine „persönliche geistige Schöpfung“) urheberrechtlich schutzfähig sind. Dies gilt auch für den Quellcode von Software. Erst 70 Jahre nach dem Tod erlöschen die Urheberrechte.

Welche Pflichten gehen auf die Erben über? Welche Rechte haben sie?

Das deutsche Erbrecht stammt aus dem Jahr 1896. Es unterscheidet nicht, ob die Erbmasse Immobilien, Fahrzeuge, Geldguthaben oder sensible Daten betrifft. Im Grunde gibt das Bürgerliche Gesetzbuch vor, dass das komplette Vermögen auf den oder die Erben übergeht. Hatte der Verstorbene beispielsweise einen E-Mail-Account bei einem Online-Anbieter, so übernimmt der Erbe das Nutzungsverhältnis mit dem Provider. Liegen ihm die Passwörter nicht vor, so hat er in gleichem Maße Anspruch auf Zugänge, wie dies der Erblasser vor seinem Tod hatte. Gleiches gilt für Accounts bei sozialen Netzwerken: Sämtliche Rechte und Pflichten, die der Verstorbene zu Lebzeiten hatte, gehen dann auf den Erben über. Im Übrigen sind auch kostenpflichtige Abos und Verträge betroffen, die dann zu Lasten der Hinterbliebenen weiterlaufen.

Demgegenüber könnte das sogenannte postmortale Persönlichkeitsrecht und der Datenschutz stehen. Hier herrscht, zumindest im Falle von Volljährigen, bis dato keine rechtliche Klarheit.

Vorsorglich erstellen: Liste mit Zugangsdaten

Nachlass regeln-Babyhand umschliesst Finger

Auch der digitale Nachlass sollte im Testament geregelt sein, damit den Erben keine unnötigen Schwierigkeiten entstehen.

Die einfachste Möglichkeit, für den Ernstfall vorzusorgen, ist sicherlich die Erstellung einer Liste mit sämtlichen Online-Konten und Passwörtern. Sammeln Sie also idealerweise alle Zugangsdaten und halten Sie diese stets aktuell. Dann haben Angehörige im Todesfall schnellen Zugriff auf sämtliche Informationen und können angemessene Maßnahmen treffen.

Empfehlenswert ist es, diese Daten auf einem kennwortgeschützten oder verschlüsselten USB-Stick zu sichern, welcher beispielsweise in einem Bankschließfach oder Tresor deponiert wird.

Verbraucherzentrale empfiehlt: via Vollmacht digitalen Nachlassverwalter bestimmen

Die Verbraucherzentrale empfiehlt klar, einen digitalen Nachlassverwalter schriftlich festzulegen. Dies geschieht in Form von Vollmachten. In diesem Rahmen regeln Sie detailliert, welche Daten zu löschen sind, wie mit Accounts in sozialen Netzwerken umzugehen ist und was mit Fotos im Internet geschehen soll. Außerdem wird definiert, was mit Ihren Endgeräten wie PCs, Smartphones und Tablets und den darauf gespeicherten Daten passiert. Auch können Sie das Recht erteilen, Verträge und Abos zu kündigen. Verfassen Sie die Vollmacht handschriftlich, versehen Sie sie mit einem Datum und unterschreiben Sie sie. Nehmen Sie unbedingt eine Passage auf, die unmissverständlich festlegt, dass die Vollmacht über den Tod hinaus gültig ist. Übergeben Sie das Schriftstück abschließend Ihrem digitalen Nachlassverwalter und teilen Sie ihm mit, wo er die Liste mit Ihren Zugangsdaten findet.

Ein digitaler Nachlass sollte ausschließlich von Personen verwaltet werden, zu denen Sie absolutes Vertrauen haben. Es existieren auch kommerzielle Anbieter, die diese Aufgabe gegen Gebühr übernehmen. Die Verbraucherzentrale rät hier jedoch zur Vorsicht, da die Sicherheit solcher Angebote nur schwer zu beurteilen ist.

⚠️ In jedem Fall gilt: Vertrauen Sie Zugangsdaten und Passwörter niemals einem Unternehmen an.

Digitaler Nachlass kann auch im Testament geregelt werden

Ein digitales Erbe lässt sich im Testament über einen Notar regeln. Sie können hier beispielsweise festlegen, dass Daten und E-Mails nicht an die gesetzlichen Erben gehen, sondern einer dritten Person hinterlassen werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, eine Regelung in das Testament aufzunehmen, wie mit dem digitalen Nachlass umzugehen ist. Hier könnte etwa formuliert werden, dass sämtliche Daten ungelesen gelöscht werden sollen oder dass das Facebook-Profil in einen Gedenkzustand umgewandelt wird. Um sicherzustellen, dass solche Auflagen tatsächlich umgesetzt werden, ist es empfehlenswert, einen Testamentsvollstrecker mit der Überwachung zu beauftragen.

Was tun bei fehlenden Zugangsdaten oder fehlender Regelung?

Naturgemäß beschäftigen wir uns insbesondere in jüngeren Jahren selten mit unserem Ableben. Ein unerwarteter Todesfall ist nicht nur ein Schock für Angehörige. Hinterbliebene sehen sich im Hinblick auf bestehende Online-Konten und digitale Daten des Verstorbenen, oftmals mit einem Chaos konfrontiert.

Kommen Erben alleine nicht mehr voran, so können Sie Hilfe von professionellen Unternehmen in Anspruch nehmen. Diese durchleuchten mithilfe automatisierter Abfragen das Internet, um festzustellen, bei welchen Anbietern der Verstorbene ein Konto hatte. Durchforstet werden hierbei alle Internetunternehmen, bei denen ein digitaler Nachlass relevant sein könnte. Die Dienstleister kündigen oder übertragen bestehende Verträge auf die Erben und kümmern sich darum, dass Guthaben ausgezahlt werden. Passwörter sind hierfür nicht erforderlich. Inhalte werden ebenfalls nicht erfasst. Letztlich sind solche Angebote über Bestatter buchbar.

👉 Hilfe erhalten Hinterbliebene alternativ auch über die Verbraucherzentrale, welche in ihren Beratungsstellen besucht oder telefonisch und online kontaktiert werden kann.

Haben Sie noch eine Frage zum Thema? Hinterlassen Sie uns gerne einen Kommentar!
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