Das müssen Sie zum Energieausweis wissen

Energieausweis und Modell eines Hauses

Der Energieausweis gibt die Energieeffizienz eines Hauses wieder

Aus dem Energieausweis ergeben sich Rechte und Pflichten für Mieter, Eigentümer oder Käufer eines Hauses. In diesem Artikel informieren wir Sie darüber, was der Energiepass überhaupt aussagt, und was Sie beim Verkauf oder der Vermietung Ihrer Immobilie wissen müssen. Auch für Mieter ist die Bedeutung der Energiesparverordnung interessant: Wer sich hier auskennt, spart bares Geld!

Der Energieausweis: Was bedeutet er überhaupt?

Deutsche Hauseigentümer und Vermieter sollten die Energiesparverordnung (EnEV) kennen. Darin sind alle Regeln und Vorschriften zum Energiepass enthalten. Der Energieausweis für Wohngebäude dient der Bewertung des Zustands einer Immobilie hinsichtlich der Energie-Effizienz. Die Angaben beziehen sich auf das Heizungssystem und den allgemeinen Energiezustand einer Immobilie. Unterschieden werden müssen allerdings Bedarfs- und Verbrauchs-Energieausweis.

Der Bedarfsausweis gibt vor, wie hoch der Energieverbrauch für ein Gebäude sein darf. Alte Häuser, die noch nicht saniert wurden, weisen hohe Werte auf, die im roten Bereich liegen. Bei einem Niedrigenergiehaus hingegen liegen die Werte im grünen Bereich. Der Bedarfsausweis wird meist für Einfamilienhäuser ausgestellt oder für Häuser mit weniger als fünf abgeschlossenen Wohnungen.

Der Verbrauchsausweis hingegen orientiert sich am tatsächlichen Verbrauch. Er ist nur zulässig, wenn ein Haus nach 1977 erbaut wurde oder wenn in einem älteren Mehrfamilienhaus mindestens fünf abgeschlossene Wohneinheiten vorhanden sind. Errechnet wird der Energieverbrauch anhand des Heizverhaltens der Bewohner: Für den tatsächlichen Verbrauch wird der Mittelwert des gesamten Verbrauchs aller Bewohner errechnet.

Sinnvolle Empfehlungen für eine Modernisierung gehören ebenfalls zum Energieausweis. Dafür wird die vorhandene Wärmedämmung berücksichtig, und zwar von Dach, Keller und den Außenwänden, sowie der Zustand der vorhandenen Fenster. Auch die Dämmung von Leitungen und Heizungsrohren spielt eine Rolle, wie auch Solar- und Lüftungsanlagen oder das Vorhandensein von Thermostatventilen.

Neuere Energieausweise enthalten eine Effizienzklasse, die von A+ bis H reicht – so wie man das von Haushaltsgeräten kennt.

Wo kann der Energieausweis beantragt werden?

Laut Energiesparverordnung sind es Architekten, Physiker, Ingenieure und spezielle Handwerker, die einen Energieausweis ausstellen dürfen. Vermieter müssen sich also an keine Behörde wenden. Doch Vorsicht: Der Aussteller muss zur Ausstellung berechtigt sein. Allerdings ist ein Leck in der Energiesparverordnung vorhanden: Zulässig ist das Ausstellen eines Energieausweises zwar nur durch qualifizierte Fachleute, es gibt aber keine Behörde in Deutschland, die deren Zulassung ausstellt. Wer nicht zur Ausstellung berechtigt ist, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Bußgeld von bis zu 15 000 Euro rechnen.

Eigentümer, die ganz sicher gehen wollen, sollten in der Datenbank für Förderprogramme des Bundes nach einem Experten suchen. Hier sind alle Fachleute aufgelistet, die Sie kontaktieren können – insbesondere, wenn Sie Ihr Wohngebäude modernisieren wollen und hierfür Zuschüsse von der KfW beantragen möchten.

Pflichten von Vermietern und Verkäufern

Der Energiepass ist seit 2008 vorgeschrieben. Einem potenziellen Mieter oder Käufer musste er jedoch lange Zeit nur auf Verlangen vorgezeigt werden.  Seit dem 1. Januar 2013 sind Vermieter oder Verkäufer einer Immobilie allerdings verpflichtet, Interessenten des Objektes einen Energieausweis vorzulegen. Bei Verkauf oder Vermietung müssen Sie darüber hinaus auch Ihrem Vertragspartner eine Kopie oder ein weiteres Exemplar des Energieausweises aushändigen. Außerdem sind bereits in der Immobilienanzeige Angaben zu den Kenndaten des Energieausweises zu machen – falls vorhanden mit Energie-Effizienzklasse.

Interessant für Miet- und Kaufinteressenten

Wenn Sie auf der Suche nach einer Immobilie sind, sollten Sie bereits in der Anzeige auf die Angaben zum Energieausweis achten. Vergleichen Sie diese Klassen allerdings nicht mit denen der Haushaltsgeräte, die zum Beispiel mit der Effizienzklasse A+ ein sehr sparsames Gerät auszeichnet, denn ein durchschnittliches Gebäude fällt meist unter die Klasse E.

Der Vermieter oder Verkäufer ist verpflichtet, den Energieausweis vorzulegen, es sei denn, Sie interessieren sich für ein Objekt, das unter Denkmalschutz fällt.

Sie sollten außerdem darauf achten, ob im Energiepass Modernisierungsmaßnahmen empfohlen werden und ob diese bereits durchgeführt wurden oder in naher Zukunft geplant sind. Eine Kopie oder ein originales Exemplar muss Ihnen bei Vertragsabschluss übergeben werden und ist zusammen mit den weiteren Unterlagen aufzubewahren.

Wenn Sie anhand des Dokumentes und des Objektzustandes nur schwer einschätzen können, welche Energiekosten auf Sie zukommen, sollten Sie eventuell eine Energieberatung in Anspruch nehmen. Im Rahmen dieser Beratung können die Kosten ziemlich realistisch eingeschätzt werden und Sie erfahren nähere Details zu Energie-Anbietern und deren Konditionen. Ein schneller Online-Strompreisvergleich bietet hierbei ebenfalls eine gute Möglichkeit, um Einsparpotential zu entdecken.

Mit dem Verbrauchsausweis die Heizkosten einschätzen

Anhand der auf dem Verbrauchsausweis angegebenen Kennwerte können Mieter oder Käufer ungefähr schätzen, mit welchen Energiekosten sie zu rechnen haben. Der Energieverbrauchskennwert ist in KWh angegeben. Hierfür wird die Wohnfläche der Wohnung mit 1,2 multipliziert. Das Produkt multipliziert man wiederum mit dem Verbrauchskennwert, der dem Energieausweis entnommen werden kann. Die Berechnung gibt allerdings nicht unbedingt den tatsächlichen Verbrauch wieder. Der zugrunde liegende Energiekennwert aus dem Energieausweis ist der vorab errechnete Mittelwert. Ist Ihr Heizverhalten sparsamer als das der übrigen Mieter oder Eigentümer eines Hauses, so kann es durchaus vorkommen, dass Sie weniger Energiekosten aufbringen müssen.

Bei strombetriebenen Heizungen ist besondere Vorsicht geboten, hier entstehen oft enorme Heizkosten. Dies gilt auch für den Fall, wenn der Kennwert nicht dem Verbrauchsausweis, sondern dem Bedarfsausweis entnommen werden muss: Er ist vermutlich recht niedrig. Zugrunde liegt hier, wie bereits weiter oben erwähnt, der Kennwert für die Primärenergie. Das bedeutet, Sie können dem Bedarfsausweis lediglich entnehmen, wie viel Energie benötigt wird, um Energie zu liefern.

Die Aussagekraft des Energieausweises

Grundsätzlich ist die Aussagekraft des Energiepasses nicht besonders hoch: Die zum Heizen benötigte Energie hängt von vielen Faktoren ab. Wichtig ist hier die Isolierung eines Hauses, aber auch die Beschaffenheit von Fenstern und Türen. Auch hängt das Heizverhalten in einer Wohnung von der Beheizung der anderen Räumlichkeiten ab. Liegt eine Wohnung direkt über einem nicht gut gedämmten Keller, muss wesentlich mehr geheizt werden, als in einer Wohnung, die in der mittleren Etage eines Hauses liegt.

Mieter und Käufer eines Hauses oder einer Wohnung sollten sich von daher niemals allein auf die Angaben im Energiepass verlassen, sondern diese eher als einen gewissen Richtwert sehen. Berechnungen zum Energieverbrauch können nur sehr ungenau durchgeführt werden, da die Energiekennzahlen meist nicht wirklich realistisch sind. Achten Sie von daher unbedingt auf den Zustand der Fenster und Türen, auf die Dämmung in der Wohnung und natürlich auf die Lage einer Wohnung innerhalb des Hauses.

Bild: © Alexander Raths / fotolia.com

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