Wohngeld – die wichtigsten Informationen

Wenn Geldknappheit herrscht und die Bezahlung der Miete zur Herausforderung wird, ist Wohngeld der Retter in der Not.

Wenn Geldknappheit herrscht und die Bezahlung der Miete zur Herausforderung wird, ist Wohngeld der Retter in der Not.

Gerade für die Miete müssen viele Menschen monatlich einen großen Betrag ihres Einkommens ausgeben. Leider hat nicht jeder die finanziellen Mittel, um sich das Wohnen in einer angemessenen und familiengerechten Wohnung zu finanzieren. Je nach Stadt oder Gemeinde fallen die Mieten unterschiedlich hoch aus. Deshalb bietet der Staat seit über 50 Jahren (ab 1965 in den alten Bundesländern, seit 1991 auch in den neuen Bundesländern) für einkommensschwache Mieter oder Eigentümer eine rückzahlungsfreie finanzielle Hilfe an – das Wohngeld!

Das Wohngeld gilt nicht nur für besonders preisgünstige Wohnungen, sondern auch für Wohnraum mit durchschnittlichen Kosten. Es spielt auch keine Rolle für die Leistung des Zuschusses, ob sich der Wohnraum in einem Altbau oder Neubau befindet und ob er öffentlich-rechtlich gefördert, steuerbegünstigt oder frei finanziert worden ist. Vom Wohngeld ausgeschlossen sind seit 2005 Transferleistungsbezieher, da ihre Unterkunftskosten bereits in den Transferleistungen (z.B. Sozialhilfe, Arbeitslosengeld, Grundsicherung im Alter) berücksichtigt werden.

Wohngeld beantragen

Für den Erhalt von Wohngeld muss ein Antrag ausgefüllt werden. Wohngeld darf nicht mit Almosen des Staates verwechselt werden, denn es besteht ein Rechtsanspruch für diejenigen, die die Voraussetzungen erfüllen. Die Antragsformulare stellen die Wohngeldbehörde, die Gemeinde-, Stadt-, Amts- oder Kreisverwaltung bereit, häufig sind die Formulare auch direkt per Download auf der Internetpräsenz Ihrer Gemeinde verfügbar. Ist der Antrag ausgefüllt und abgegeben, händigt die zuständige Behörde eine schriftliche Bestätigung über den Erhalt aus.

Die antragstellende Person ist gleichzeitig die wohngeldberechtigte Person. Im Falle von mehreren wohngeldberechtigten Personen eines Haushalts, wird eine Person für den Antrag bestimmt. Zu den Haushaltsmitgliedern beim Wohngeld zählen der Antragsteller, Ehepartner oder eingetragener Lebenspartner, Eltern sowie Stief-, Pflege- und Schwiegereltern, Kinder sowie Pflege- und Adoptivkinder und sonstige Verwandte. Außerdem gehören zu den Mitgliedern nicht-Verwandte, z.B. Wohnungsmitglieder, die seit einem Jahr mit in der Wohnung leben, Personen, die ein gemeinsames Kind mit einem anderen Haushaltsmitglied haben, Kinder oder Angehörige, die regelmäßig versorgt oder betreut werden und Mitglieder, die eine Befugnis über Einkommen und Vermögen haben.

Leben in einem Haushalt sowohl Wohngeldberechtigte als auch Nichtwohngeldberechtigte, wird dieser als Mischhaushalt bezeichnet, unabhängig davon, wie die Personen zueinanderstehen. Das Wohngeld wird lediglich anhand der Anzahl der Wohnungsberechtigten ermittelt. Als Grundvoraussetzung gilt, dass der Wohngeldantragsteller entweder als Hauptmieter, Nebenmieter oder Untermieter namentlich erwähnt werden muss.

Art der Auszahlung

Das Wohngeld wird entweder als Mietzuschuss oder als Lastenzuschuss ausgezahlt. Den Mietzuschuss bekommen Mieter einer Wohnung oder eines Zimmers, Untermieter, mietähnliche Nutzungsberechtigte, Eigentümer mit mehr als zwei Wohnungen und Bewohner eines Heimes. Sie alle müssen den jeweiligen Raum selbst bewohnen.

Lastenzuschuss bekommen hingegen Eigentümer einer Wohnung oder eines Hauses mit maximal zwei Wohnungen und Erbbauberechtigte. Des Weiteren erhalten den Lastenzuschuss diejenigen, die ein eigentumsähnliches Dauerwohnrecht, Wohnungsrecht oder Nießbrauch (Nutzung von fremden Gegenständen, die nicht verändert werden dürfen) aufweisen oder die den Anspruch auf Bestellung, Übertragung des Eigentums, Erbbaurecht, eigentumsähnliches Dauerwohnrecht, Wohnungsrecht oder Niesbrauch haben. Auch in diesen Fällen muss der Wohnraum selbst genutzt werden.

Wohngeld wird vom Monatsbeginn geleistet, in dem der Antrag bei der Wohngeldbehörde eingegangen ist. Nach erfolgreicher Antragstellung wird das Wohngeld für zwölf Monate geleistet. Wer weiter Wohngeld beziehen möchte, sollte etwa zwei Monate vor Ablauf des Bewilligungszeitraumes erneut einen Antrag stellen. Die Kosten teilen sich Bund und Länder.

Höhe des Wohngelds

In der Innenstadt sind die Mieten meist höher und es wird mehr Wohngeld gezahlt

Wohnen in der Innenstadt ist teurer als auf dem Land – das zeigt sich auch in der Wohngeldhöhe

Wie hoch das Wohngeld ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Nicht nur die Höhe des Gesamteinkommens eines Haushalts ist elementar, sondern auch der monatliche Mietpreis beziehungsweise die Belastung bei Eigentümern sowie die Anzahl der zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder. Kindergeld und der Kinderzuschlag werden bei der Ermittlung des monatlichen Einkommens nicht berücksichtigt.

Das Wohngeld fällt, je nach Situation der Haushalte, individuell aus. Sobald sich etwas an der Wohnsituation ändert, hat das Auswirkungen auf die Höhe des Wohngelds. Steigt zum Beispiel das monatliche Einkommen und zieht dazu ein Haushaltsmitglied aus, vermindert sich das Wohngeld. Andersherum, wenn das Gesamteinkommen sinkt und zusätzlich jemand in die Wohnung einzieht, steigt der Betrag des Wohngelds. Bei einem Todesfall besteht die Möglichkeit, dass das Wohngeld für das verstorbene Mitglied für die nächsten 24 Monate weiter geleistet wird. Das gilt nur, wenn die Wohnung in dieser Zeit von denselben Haushaltsmitgliedern bewohnt wird. Ein Wohnungswechsel ist somit erstmal ausgeschlossen.

Für die Berechnung des Wohngelds werden zudem die Mietstufen berücksichtigt. Jede Stadt und Gemeinde hat einen anderen Mietspiegel, die Kosten für Wohnraum sind daher sehr unterschiedlich. Es gibt insgesamt sechs Mietstufen. Je höher die Mietstufe ist, desto höher fällt auch das Wohngeld aus. Die Bundesstadt Bonn hat zum Beispiel die Mietstufe 5, die Miete fällt bis zu 24 Prozent höher als die Durchschnittsmiete in Deutschland aus. Die Stadt Gelsenkirchen hat die Mietstufe 2, hier fällt die Miete bis zu 15 Prozent niedriger aus. Eine höhere Mietstufe bedeutet auch eine höhere monatliche Einkommensgrenze. Bei einem 1-Personenhaushalt liegt die Einkommensgrenze für die höchste Mietstufe bei 1010,64 €, bei einem 2-Personenhaushalt bei 1384,76€.

Neues Wohngeldgesetz

Anfang 2016 ist das neue Wohngeldgesetz in Kraft getreten. Seitdem wird durchschnittlich 39 Prozent mehr Wohngeld geleistet. Wie viel Geld es tatsächlich für den Einzelfall ist, hängt von den genannten Faktoren ab. Insgesamt steigt der prozentuale Wert mit den Mietstufen. Die Mieten haben sich in Deutschland in den letzten Jahren unterschiedlich entwickelt. So haben sich die Mieten in Ballungsräumen überdurchschnittlich erhöht. Daher wurden für diese Regionen die Miethöchstbeträge ebenfalls erhöht.

Das Bundesumweltministerium stellt auf seiner Internetpräsenz einen Wohngeldrechner zur Verfügung. Durch die Anzahl der Haushaltsmitglieder, des monatlichen Gesamteinkommens der zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder, der monatlichen Bruttokalt-Miete/Belastung sowie der Mietstufe, wird das Wohngeld berechnet.

Wohngeld Anspruch für Studierende und Auszubildende

Studierende, die einen Anspruch auf BAföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz) haben, bekommen kein Wohngeld, egal ob BAföG bezogen wird oder nicht. Nicht nur der BAföG-Anspruch spielt eine Rolle, sondern auch die Wohnverhältnisse. Bei einer Wohngemeinschaft haben Studierende generell keinen Anspruch auf Wohngeld, es sei denn die Mitglieder sind miteinander verwandt oder leben in einer Partnerschaft. Wenn Studierende keinen Anspruch auf BAföG haben, wird das Wohngeld anhand der Einkommen aller Haushaltsmitglieder und der Miete der Wohnung ermittelt. BAföG bekommen Studierende in der Regel nicht, wenn das Einkommen der Eltern, des Ehepartners/Lebenspartners so hoch ist, dass die Unterhaltspflicht eintritt.

Viele Studierenden haben wenig Geld zur Verfügung. In den meisten Fällen werden sie noch von den Eltern unterstützt. Aber auch Wohngeld kann in manchen Fällen beantragt werden.

In den meisten Fällen werden Studierende noch von den Eltern unterstützt. Aber auch Wohngeld kann in manchen Fällen beantragt werden.

Handelt es sich um eine Ausbildung, die nicht nach dem BAföG unterstützt wird, ein Zweit-, Ergänzungs- oder Aufbaustudium oder einem Abbruch der Ausbildung oder einen Wechsel des Studienfaches (aus nicht wichtigen Gründen) oder wenn die Altersgrenze von 30 Jahren (35 Jahre bei Masterstudiengängen) für den Bezug von BAfög überschritten wurde, dürfen Studierende einen Antrag auf Wohngeld stellen. Grundsätzlich gilt, dass ein BAföG-Antrag auf jeden Fall gestellt werden muss. Erst wenn der Nachweis, dass kein Anspruch besteht vom zuständigen Amt bestätigt wurde, darf Wohngeld beantragt werden.

Ähnlich sieht es bei Auszubildenden aus. Sollte Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) bestehen, wird kein Wohngeld geleistet, auch nicht, wenn sie kein Recht auf BAB wegen des zu hohen eigenen Einkommens oder des Einkommens der Eltern haben. Unterhaltszahlungen von den Eltern werden als Einkommen angerechnet. Volljährige Auszubildende, die in einer Mietwohnung nahe des Ausbildungsortes wohnen und die Miete selbst zahlen, können hingegen Wohngeld beantragen. Das gilt jedoch nicht, wenn der Auszubildende nur vorübergehend das Elternhaus verlässt.

Quellen