Kulturschock beim Umzug ins Ausland

Kulturschock im Ausland

Untersuchungen zum Thema "Kulturschock" zeigen, dass bei längeren Auslandsaufenthalten (mehr als 12 Monate) Symptome wie Stimmungstiefs, kulturelle Entfremdung und Heimweh sehr wahrscheinlich auftauchen werden. Die Symptome können die unterschiedlichsten emotionalen Reaktionen hervorrufen: von Unsicherheit und Kontaktscheue über Angst und Depression bis hin zu totaler Frustration und Wut oder sogar psychosomatischen Reaktionen.

In der Regel spüren mitausgereiste Familienmitglieder die Auswirkungen des Kulturschocks in einem deutlich stärkeren Maße als die berufstätigen Partner. Ebenso gilt als sicher, dass niemand gegen einen Kulturschock immun ist. Sogar Vielreisende und Menschen, die bereits längere Auslandsaufenthalte hinter sich haben, erleben ihn - zumindest in abgeschwächter Form. Die Ursache für einen Kulturschock ist dabei immer der schrittweise Zusammenbruch der erlernten gesellschaftlichen Orientierungen, der vertrauten Normen und Werte, die im Gastland nun keine Gültigkeit mehr haben.

Vier Phasen der Eingliederung

Bei der Eingliederung in die fremde Kultur durchläuft man eine Art emotionalen Kreislauf, der in vier verschiedene Phasen unterteilt werden kann:

1.: Euphoriephase - Erste Orientierung

Die Ankunft im Gastland ist aufregend und schön zugleich. Es gibt viel Neues zu entdecken und zu erfahren. Neuankömmlinge wollen dabei meist alles auf einmal sehen und ausprobieren. Die Sinne laufen auf Hochtouren, um all die Eindrücke der neuen Umwelt zu verarbeiten. Für eine nüchterne Betrachtung der Umstände bleibt oft keine Zeit, negative Eindrücke wandern schnell in den Hintergrund und die meisten Unterschiede zur Heimat werden zu diesem Zeitpunkt als interessant, exotisch, charmant und liebenswürdig empfunden.

2.: Ernüchterungsphase – Orientierungslosigkeit

Schon nach einigen Wochen stellt sich meist eine Phase der Ernüchterung ein, in der die generellen Unterschiede des fremden Landes und seiner Bewohner stärker wahrgenommen werden. Vor allem Mitausgereiste kämpfen mit zunehmender Orientierungslosigkeit und dem Gefühl der Entfremdung, da sie die Alltagsrealität im Gastland bewusster und intensiver erleben als der Entsandte, dem die neue Arbeitsumgebung und Arbeitsroutine Orientierungshilfe bieten.

Zu diesem Zeitpunkt wird jetzt verstärkt erfahren, dass sich die Kontaktaufnahme und Kommunikation mit der lokalen Bevölkerung schwieriger gestalten kann als angenommen. Die neue Sprache zu verwenden ist anstrengend und die Leute erscheinen entweder unfreundlich und unverständig oder überfreundlich und daher verdächtig. Manchmal sind sie auch einfach nur "anders". Beim Einkaufen im Supermarkt findet man die gewohnten Artikel nicht. Mit dem neuen Geld umzugehen ist immer noch schwierig. Die Tatsache, dass sogar die einfachsten Abläufe kompliziert werden, frustriert und sorgt im günstigen Fall für leichte Irritation. Im ungünstigen Fall bewirkt sie eine tiefe Verunsicherung, die stetig am Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl des Neuankömmlings nagt.

3.: Einigelungsphase - Entfremdung und Isolation

Die dritte ist die schwierigste Phase des kulturellen Anpassungsprozesses, vor allem für die Mitausgereisten. Sie bestimmt, ob der Kontakt mit der fremden Kultur einen positiven oder negativen Verlauf nimmt. Dabei kommt es darauf an, wie man einzelne Erfahrungen bewertet und welche persönlichen Konsequenzen man aus ihnen zieht. Häufig führt eine Reihe von negativen Erlebnissen dazu, dass man den Kontakt zu den Menschen der neuen Kultur auf das Nötigste beschränkt. Was anfangs interessant, reizvoll und charmant erschien, ist nun undurchschaubar oder seltsam. Vergleiche zum Heimatland werden in dieser Phase meist ununterbrochen angestellt, wobei die Heimat idealisiert wird und die Vergleiche mit dem Gastland stets gewinnt. Diese Idealisierung der eigenen Kultur geht häufig Hand in Hand mit dem Aufbauen von Vorurteilen gegenüber dem Gastland und seiner Bewohner. Man verspürt starkes Heimweh sowie Sehnsucht nach Familie, Freunden und Verwandten in der Heimat.

4.: Anpassungs- und Integrationsphase

Niemand, der sich für längere Zeit im Ausland befindet, kommt daran vorbei, sich bis zu einem gewissen Grad anzupassen. Auch wer sich lange dagegen sträubt, wird schließlich den Kontakt zur Umwelt wieder aufnehmen und weiterleben. Wie eng dieser Kontakt sein wird und welche Qualität er hat, ist abhängig von der individuellen Einstellung und der Bereitschaft, sich auf das fremde Land und seine Kultur einzulassen.

Fazit

Wenn Sie erkennen, dass es in jeder Kultur Dinge gibt, die man mag und die man weniger mag, steht einer erfolgreichen Anpassung nichts im Wege. Genießen Sie die positiven Veränderungen und die schönen Seiten der neuen Kultur und ordnen Sie die weniger schönen Aspekte richtig ein. Sprechen Sie mit Bekannten und Kollegen, die ähnliches erlebt haben oder suchen Sie den Kontakt mit anderen Mitausgereisten vor Ort für einen einfachen Erfahrungsaustausch oder um sich Tipps und Ratschläge zu holen. Wer gelernt hat sich erfolgreich der neuen Kultur anzupassen, wird feststellen, dass er nicht nur Fähigkeiten wie Selbstorganisation, Netzwerkbildung und Problemlösungsstrategien erlernt hat, sondern auch erfolgreich und effektiv in einer neuen Kultur zurecht kommen und arbeiten kann.

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